Stasimuseum Berlin
Haus 1 der Zentrale des MfS

Staatssicherheit in der SED-Diktatur

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges begannen deutsche Kommunisten unter sowjetischer Regie, in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) von Deutschland ein diktatorisches Herrschaftssystem zu errichten. 1946 vereinigten sich, auch durch sowjetischen Druck, die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) und die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) in der SBZ zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED). Sie war bis zum Ende der DDR 1989 das Machtzentrum in der DDR.
Die Herrschenden schufen ein System aus Gewalt und Drohung, Belohnung und Bevorzugung. Der Einzelne sollte dabei zu Anpassung, Unterwerfung und, wo möglich, zur Mitarbeit erzogen werden. Die SED hatte uneingeschränkten Zugriff auf nahezu alle Lebensbereiche – Ausnahmen waren beispielsweise die Kirchen –, um die Bevölkerung umfassend zu kontrollieren und bei Bedarf zu belohnen oder auch zu maßregeln.
Kern des Herrschaftsapparates war das Ministerium für Staatssicherheit (MfS), das als sogenanntes "Schild und Schwert der Partei" unter der Führung der SED die "Arbeiter- und Bauernmacht" zu schützen und die SED-Diktatur abzusichern hatte.
Die Dauerausstellung "Staatssicherheit in der SED-Diktatur" klärt über Aufbau, Entwicklung und Arbeitsweise des MfS auf. Sie informiert den Besucher über die Menschen, die für diese Institution tätig waren, und zeigt die Methoden, die sie dabei anwendeten. Die Dauerausstellung wurde von der ASTAK e.V. in Kooperation mit der Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasiunterlagen (BStU) erarbeitet, die die inhaltliche Erarbeitung der 1. Etage übernommen hatte.
Das Herzstück des Museums sind die Diensträume Erich Mielkes, des letzten Ministers für Staatssicherheit der DDR, die in ihrem Originalzustand erhalten sind.

 

1. Etage

Der Auftrag

Bereits kurz nach der Gründung der DDR schuf das SED-Regime mit dem Ministerium für Staatssicherheit eine Institution zur Absicherung ihres Herrschaftsmonopols. Der Ausstellungsteil zeigt die Entstehung und Entwicklung des MfS.

Die Täter

Die Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit wurden nach strengen Kriterien ausgewählt. Insbesondere ihre bedingungslose Loyalität der SED gegenüber wurde dabei geprüft und das Bekenntnis zum Sozialismus sowohl im Dienst als auch im Privatleben erwartet.
Bei der Durchführung ihrer Arbeit bedienten sich die MfS- Mitarbeiter vielfältiger Mittel. Neben technischen Überwachungsmethoden waren es vor allem Inoffizielle Mitarbeiter, die im Auftrag des MfS ihr Umfeld bespitzelten und die wichtigste Informationsquelle bildeten.

2. Etage

Die Minister-Etage

Die Räume dieser Etage wurden nach den Bedürfnissen Erich Mielkes geplant. Die Funktion und Einrichtung der Räume blieb seit der Fertigstellung des Hauses im Jahr 1961 weitgehend unverändert.
Auch während der Inbesitznahme des Gebäudekomplexes durch Demonstranten am 15. Januar 1990 blieb dieser Bereich weitgehend unangetastet. In der Folgezeit wurden lediglich die vielen Gegenstände, die sich überall auf dem Mobiliar befanden, entfernt und archiviert.
So wurde diese Etage in ihrer historischen Anmutung bewahrt und kann noch heute in dem Zustand besichtigt werden, in dem sie Erich Mielke als Arbeitsräume benutzte.

3. Etage

MfS in Aktion

Die Hauptaufgabe des MfS war die Kontrolle der gesamten Bevölkerung der DDR. Die beschafften Informationen dienten als Grundlage für verschiedene Entscheidungen des SED-Machtapparats. Auf diesem Wege konnte das MfS aber auch erste Anhaltspunkte für von der SED-Norm abweichendes Verhalten finden. In diesem Falle nutzte es sein vielfältiges Instrumentarium, um den Anfangsverdacht zu prüfen.
Entdeckte das MfS „staatsfeindliche Tätigkeit“, versuchte es, diese mit verschiedenen Mitteln zu unterbinden.

Ende der Staatssicherheit

Angesichts der wachsenden Proteste und der Veränderungen im Herrschaftsapparat begann das MfS damit, seine Unterlagen und Akten zusammenzuführen und Stück für Stück zu vernichten.
Couragierte Menschen besetzten daraufhin die Stasi-Dienststellen, gründeten Bürgerkomitees und versuchten so, die Akten vor der Vernichtung zu bewahren.

Sonderausstellung: Täuschen Und Vertuschen - Die Stasi und die Mauertoten

Sonderausstellung Täuschen und VertuschenMindestens 136 Menschen verloren an der Berliner Mauer ihr Leben. Die meisten von ihnen wurden bei dem Versuch aus der DDR zu flüchten durch Grenzsoldaten der DDR getötet. Im Weltbild des SED-Regimes galten Flüchtende als Feinde, gegen die jedes Mittel recht war.
Um Schaden für das Ansehen des SED-Staates zu vermeiden, verschleierte das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) die Todesfälle so weit wie möglich. Die Leidtragenden dieser Vertuschungsstrategie waren vor allem die Angehörigen der Maueropfer. Die Ungewissheit über die Todesumstände warf einen langen Schatten auf ihr Leben. Viele erfuhren erst nach der deutschen Vereinigung aus den Stasi-Akten die Wahrheit über den Tod ihrer Nächsten.
Um an das Leid der Opfer und ihrer Angehörigen zu erinnern, zeigt die Ausstellung der BStU erstmals Auszüge aus einer mehrbändigen MfS-Sonderakte. Das MfS dokumentierte darin Fälle der Vertuschung von tödlichen Schüssen an der Mauer. Die Akte enthält gut 30 Fälle und endet ungefähr Mitte der 1970er Jahre. Sie enthält Dokumente der Staatssicherheit über ihre Pläne zur Vertuschung, Skizzen der "Tatorte" und auch persönliche Gegenstände und Papiere der Toten. Die Stasi hatte sie konfisziert.